Das Klima in Litauen ist durch kalte Winter gekennzeichnet, die Bautätigkeiten meist für drei Monate zum Erliegen bringen. Doch dieses Jahr zeigt, dass sich die Situation ändert – und damit auch die Herangehensweise an das Bauen in der kalten Jahreszeit. Der Experte warnt, dass bei Missachtung der grundlegenden Regeln und Herstellerempfehlungen solche Bauarbeiten doppelt oder sogar dreimal so teuer werden können.
„Die größte Herausforderung beim Bauen ist die negative Temperatur, denn viele Materialien sind nicht für den Einsatz bei Frost ausgelegt. Allgemein wird empfohlen, Fassaden- und Wärmedämmarbeiten zu stoppen, wenn die Außentemperatur unter +5 °C fällt. Zwar gibt es inzwischen froststabile Materialien und Techniken, doch das Risiko bleibt. Unverantwortliche Arbeit im Winter kann viel Geld und Nerven kosten“, erklärt Dr. Darius Kalibatas, Dozent für Baumanagement und Immobilien an der Fakultät Bauwesen der VILNIUS TECH.
Achten Sie auf grundlegende Regeln
In den Bewehrungs- und Betonschichten für Fassade und Dämmung ist Wasser enthalten. Bei Minusgraden gefriert dieses Wasser.
„Wenn Empfehlungen ignoriert und bei Minusgraden gearbeitet wird, zeigen sich die Folgen meist erst bei wärmerem Wetter: Wände überziehen sich mit Raureif – Zeichen eines Mangels. Wird dann Putz aufgebracht, bröckeln die Wände, und das Gebäude wird nicht langlebig. Alle Fassade- und Dämmarbeiten sollten bei mindestens +5 °C ausgeführt werden“, betont Kalibatas.
Seiner Meinung nach gibt es moderne Lösungen: etwa Beton mit Zusätzen, die frostiges Arbeiten ermöglichen. Doch Verkleidungsmaterialien dürfen bei Frost nicht verwendet werden – z. B. Kleber gefriert zu schnell und verliert seine Funktion.
„Mit herkömmlicher Technik sollte man auf Winterarbeiten verzichten. Müssen sie dennoch erfolgen, sind spezielle, frostresistente Technologien nötig – etwa das Abdecken der Fassade mit Folie und das Erwärmen mit Heizgeräten. Kostenintensiver zwar, aber es gewährleistet Qualität“, so Kalibatas.
Es kann doppelt so teuer werden
Durch milderes Klima und kürzere bzw. inexistente Winter werden im Winter häufiger Bauarbeiten fortgesetzt. Doch das kann teuer sein, wenn es tagsüber warm, aber nachts friert.
„Bei +5 °C am Tag kann es nachts frieren, was Material schädigt. Das Gebäude hält vielleicht bis zum Frühling, aber statt der vom Hersteller versprochenen 20 Jahre nur 10. Man muss auf gefrorene Konstruktionen achten, nicht nur auf die Temperatur während der Arbeit“, warnt Kalibatas.
Der Experte erinnert daran, alle Baumaterialien sowohl im Sommer als auch Winter gemäß Herstelleranweisungen und sachgerecht zu lagern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, bei Bauarbeiten nicht nur Erfahrung, sondern auch die Technologie und Herstellerangaben zu beachten.
„Missachtung grundlegender Regeln hat traurige Folgen. Oft werden im Winter Arbeiten abgebrochen, obwohl das technische Verfahren nicht unterbrochen werden darf. In solchen Fällen ist es besser, mehr zu investieren, den künftigen Fassadenbereich zu beheizen und die Arbeiten abzuschließen. Ansonsten können spätere Nacharbeiten das Doppelte oder Dreifache kosten“, erklärt der Dozent.
Materialien, die keine Kälte fürchten
Im Winter, wenn Heizkosten zur Herausforderung werden, sind effiziente Energiesparlösungen notwendig. Ein innovativer litauischer Anbieter hat ein Fassadendämmsystem entwickelt, das auch im Winter eingesetzt werden kann.
„Wir haben Fassadenmaterialien gründlich untersucht, um negative Einflüsse auf Qualität und Haltbarkeit zu identifizieren. Dieses System verbindet, ganz ohne Kleber oder Schrauben, hochklassigen Betonmörtel mit einer Schicht aus Polystyrol oder Mineralwolle und gewährleistet feste Haftung. Dadurch sind die Platten tolerant gegenüber Temperaturschwankungen und montierbar bis –10 °C“, erklärt Koderus-Gründer Edvardas Račevskis.
Das System erlaubt eine doppelt so schnelle Fassadenmontage, da Dämmung und Verkleidung gleichzeitig angebracht werden. Die Platten sind langlebig, pflegeleicht und in verschiedenen Texturen und Farben erhältlich, um eine einzigartige Gebäud Ästhetik zu schaffen.
Im Jahr 2021 wurde die Fassadenplatte KODERUS 2IN1 mit dem litauischen Produkt des Jahres geehrt und mit der Goldmedaille der Litauischen Industriellen- und Arbeitgeberkonföderation (LPK) ausgezeichnet.